Silberzwiebeln

Veröffentlicht am 29. August 2022 um 10:07

Freitag etwas widerwillig mit Schwesters Polo Richtung Ostwestfalen in den Kreis Minden-Lübbecke gecruised. Wenn Papa seine Töchter fragt, ob man ihn auf den 88. Geburtstag eines seiner ältesten Freunde begleitet, schreit die innere Stimme spontan "NEVER!", aber man sagt dann doch brav zu. Er hätte ansonsten keine Gelegenheit, hinzukommen und freut sich über jede Möglichkeit, auf Reisen zu gehen. Letztendlich siegte auch die Neugier auf den prominenten Jubilar und Gastgeber der nächsten zwei Tage, von dem uns Papa schon unser ganzes Leben erzählt und den wir nie kennengelernt haben.

Nach 3,5 Stunden Fahrt, auf der uns Schwester mehrfach vergeblich ihre letzte Banane angepriesen hat, auf Schloss Benkhausen angekommen, eingecheckt und Kaltgetränk genossen. Danach Abschied von Papa, der ohne uns, aber mit Rollator, in Zeitlupe zum Restaurant wackelte. Mit Schwester zur "Gesindeküche" aufgemacht und mit weiteren anscheinend nichtgeladenen und sehr illustren Gästen ein einfaches, aber sehr leckeres Abendessen genossen.

Anschließend mit köstlichen alkoholischen Getränken in den menschenleeren Innenhof gesetzt und gewartet. Bei zweitem Glas Wein wechselte Geburtstagsgesellschaft die Örtlichkeit und wir schmuggelten uns mit Unterstützung eines weiteren Gastes auf die Party, die nun richtig Fahrt aufnahm. Plötzlich fanden wir unsere vermeintlichen Leidensgenossen aus dem Speisesaal auf der Bühne. Der einsame Esser vom Nebentisch entpuppte (haha) sich als ziemlich witziger Bauchredner und der Farbige, der beim Abendessen hinter mir saß und nur englisch sprach, wurde zur glitzernden Diva, die mit großartiger Stimme Soul sang.

Eine Geburtstagsfeier der Ü80-Generation hat den tollen Effekt, dass man sich zwischen den anwesenden Silberzwiebeln unglaublich jung fühlt. Schwester und ich haben den Altersdurchschnitt sicherlich um ein paar Jahre gesenkt.

Bis nach Mitternacht wurde noch gezaubert. Dann kurz dem Geburtstagskind nebst Gattin die Hand geschüttelt, Nettigkeiten ausgetauscht und artig bedankt.

Nach dem besten Frühstück ever am nächsten Morgen machten wir einen interessanten Rundgang durch das Deutsche Automatenmuseum, das sich auf dem Schlossgelände befindet. Anschließend ging es nach Minden, um mit dem Schiff eine Rundfahrt auf dem Mittellandkanal zu machen. Meine Planungsunfähigkeit steckt nun auch Schwester an. Erst Anleger nicht gefunden, dann Schiff verpasst. Schließlich zumindest die Schleuse besichtigt, während Papa ein kurzes Nickerchen auf seinem Rollator absolvierte. Noch kurz in einem Gartenlokal einen Happen zu Mittag gegessen, bevor wir uns auf den Rückweg machten.

Gegen Abend erfahren, dass wir die einzigen Gäste auf dem Schloss sind. Konnten zum Glück noch im Restaurant eine Flasche Wein und drei Gläser erbetteln, haben uns noch eine Weile in den verlassenen Innenhof gesetzt und sind früh schlafen gegangen.

Nach Papas "Oh, oh!" und den wiederholten Blicken mit weitaufgerissenen Augen Richtung WC-Tür, die für ihn nicht ganz so schnell erreichbar war, erfuhr der Plan, am nächsten Morgen nach dem Frühstück noch ein wenig spazieren zu gehen, eine Änderung und es ging auf direktem Weg nach Hause. Natürlich nicht ohne ein weiteres Mal die von Schwester angepriesene Banane ablehnen zu müssen.

Fun Fact: Bei den beiden Fotos von Mister Merkur-Spielhallen stand Papa direkt rechts daneben. Beide haben in derselben Firma an der Entwicklung dieses Zigarettenautomaten gearbeitet.

Quelle: Deutsches Automatenmuseum


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